20. Adventsgeschichte

Caspar, Melchior und Baltasar

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Wer sie nicht kennt, die drei heiligen Könige, der kann ihre Geschichte im Matthäus Evangelium nachlesen. Ein Blick in die Bibel muss ja, allzumal in der Adventszeit, nicht unbedingt schaden. Aber … weil die Geschichte der heiligen drei Könige halt eine Legende ist, hätte die ja auch anders gehen können: So zum Beispiel:

Der Kasper, der Melchi und der Balti hockten wieder einmal, wie so oft in letzter Zeit, auf einem der hohen Gipfel ihrer geliebten Alpen. Dort fühlten sie sich ihrem Herrgott einfach ein Stückl näher. Als sie da, ganz erfüllt von ihrer neuen Erstbesteigung, bei einer zünftigen Brotzeit in den Himmel schauten, wollten sie ihren Augen nicht trauen.

Do schaut’s hi! Der Kasper, den sie wegen seiner Zugehörigkeit zur staatstragende Partei seiner hoch verehrten Heimat Bayern auch den Schwarzen riefen, deutete auf einen riesigen hellen Punkt am südlichen Horizont. Bayern gab es, als unsere Geschichte spielt zwar ebenso wenig wie Österreich und Südtirol … aber des is ja jetz, so prinzipiell, für diese Legende wurscht. Der Schwarze deutete also auf die himmlische Erscheinung.

Sakkra, i bin zwar bloß a Bergbauer und koa Astronom, aber der gschwoafte Stern is entweder a Komet oder des Resultat einer engen Begegnung zwischen den beiden Planeten Jupiter und Saturn, murmelte er andächtig.

Eam schaug o! Der ganz da Gscheider, murrte der Melchi, seines Zeichens Bergführer und Skilehrer aus dem Salzburgerischen.

Na, er hot schon recht, kratzte der Baltarsar mit unverkennbar südtiroler Akzent und rollte das Sicherungsseil bedächtig ein, das Himmelszeichen nicht aus den Augen lassend.

Fascht so hell wia insre Herzjesuliachtr… aber grod fascht, meinte der Jüngste. Er stammte vom Falkomeihof aus dem schönen Martell Tal.

Alle drei waren sie einfache Burschen mit einer ausgeprägten Liebe zu den Bergen und der Natur.

I glaub, sinnierte der Melchi, i glaub da müss mer hin. Spürt’s ihr des ned? Des Licht ziagt mi magisch o … I moan fast dort drunt wo der Stern steht, da wart des aller größte Abenteuer in unserm Lebn auf uns.

I glaub a, … a selche Himmelsbotschaft kriagt niemand umasunst, brummte der Kaspar und schnürte seinen Rucksack. Auf gehts Mander.

Und so zogen die drei aus dem Abendland gen Süden. Dorthin, wohin sie der Stern führte. Nach biblischen vierzig Tag, ihre genagelten Bergschuhe waren schon ganz derhaut, erreichten sie des Nachts eine kleine Anhöhe in der Nähe eines Dorfes mit dem Namen Betlehem. Oben, unter einem Ölbaum, stand eine kleine windschiefe Hütte aus der ein Ochs muhte und ein Esel blökte. Der Stern, der über der Hütte stand, tauchte die Szenerie in ein eigenartiges Licht, das nicht von dieser Welt schien.
Soiche windschiefen Buden dad as Landratsamt bei uns abreißen lassen, meinte Melchi, ..  des is ja lebensgfährlich.

Und des Gsindl da aussenrum hätten unsre Carabinieri scho varammt, meinte der Baltasar und deutete auf die zwielichtigen Gestalten, die sich bei der Holzkate versammelt hatten. Alle starrten gebannt in deren Inneres.

Ja, außer de san vo da Maffia, weil do varrammt Eier Obrigkeit gar nix, gell frotzelte der Melchior.

Je näher sie kamen, desto lauter vernahmen sie aufgeregtes Murmeln und Gesang. Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will, säuselten drei Hirten und legten ihre Zeigefinger vor den Mund um allen zu bedeuten doch etwas leiser zu sein. Hob gar ned gewusst, dass die da herunt unsere alpenländischen Weisen  beherrschen, meinte der Melchior erstaunt. Zwei der Zaungäste trugen sehr eigenwillige Trachten, die nach dem Geschmack der drei Bergkameraden mehr als gewöhnungsbedürftig waren. Komische, fast durchsichtige weiße Fetzn mit Federn am Buckl.

Ziemlich weibisch, meinte der Balti. Do isch mir die Krachlederne scho liaba. Er klopfte auf seine Hirschbux.

Eine der beiden befiederten Gestalten forderte sie mit einer einladenden Geste auf die Hütte zu betreten.

Schaut grod so aus, als ob de auf uns gewartet ham, wunderte sich der Baltasar, als er das freundlich aufmunternde Nicken der anderen Besucher bemerkte.

In der ärmlichen Hütte saß eine junge Frau im Stroh. Neben ihr stand ein Mann etwas desorientiert herum. Gerade wollte sich bei  Melchi der Gedanke bilden, dass die beiden altersmassig … so gar ned … da sahen sie das Kind, das die Mutter in den Armen wiegte. Fröhlich gurrend streckte es seine Ärmchen nach den Dreien aus und aus seinen Augen strahle dasselbe unirdene Licht ,das auch der Stern verbreitete, der sie hier hergeführt hatte.

Des, des, … platzte der Kaspar heraus, werd der größte Bergführer, den die Welt jemals gseng hot, wettn. Der Kleine patschte vergnügt in die Händchen.

Ja wie heißt er denn, ja wie heißt er den tutzi tutzi tutzi spintisierte der Balti dem Kind zu. Ihm war auf einmal, als habe er den höchsten Gipfel des Glücks erklommen … und seinen Kameraden ging es genauso.

Jesus, mein Sohn heißt Jesus antwortete die Frau verlegen.

Jesus Maria, dann bist du die Maria, gell sprudelte es aus dem Kaspar heraus, und er war ganz verblüfft über die plötzliche Eingebung. Maria nickte.

Weil’s so da Brauch is … Kaspar schnürte seinen Rucksack auf. I hob aus meiner Hoamat wos ganz Typisches dabei … an Leberkas … für eich extra nur aus Rindfleisch … sau guad … Verzeihung schmeckt sehr fein.

Vo mir kriagt da Bua an Veltliner. Aber trunga werd der erst zum sechzehnten bei der Hochzeit zu Kanaa host me. Melchi überreichte den irdenen Krug mit dem erlesenen Wein und sah Vater Josef dabei streng ermahnend an.

Und vo mir kriagsch a ächte südtiroler Marendn mit Kaminwurz, Speck und guatm Bergkas. Dasch a guat schtark wersch Bübl. Baltasar stellte das Brotzeitbrett in die Krippe und strich dem Kleinen zärtlich übers Haar.

Wie sich das damals vor über 2000 Jahren wirklich zugetragen hat … wer weiß es schon. Leberkäs, Wein und Marende hätten im Gegensatz zu Gold Weihrauch und Myrrhe sicher nicht archäologisch überlebt. Was und wen die Heilige Helena im Jahr 326 tatsächlich in einem Grab in Palästina gefunden hat und ob sich im Reliquienschrein des Kölner Doms seit 1164 nicht doch ein Stück von einer Krachledernen befindet, wird wohl immer ein Mysterium bleiben.

Fest steht: Woher sie auch immer kamen, was auch immer sie waren. Kaspar, Melchior und Baltasar waren reich. Angefüllt mit der Gnade und der Botschaft des Erlösers.