23. Adventsgeschichte

Ein besonderes Kripperl

Copyright Uwe Brandl Nov 17  Josef  Stanglmeier Str. 4  93326 Abensberg    

Bei uns zu Haus steht, oder besser stand Weihnachten immer ein besonderes Kripperl. Nicht unterm Baum, sondern auf einem alten Holzschemel ohne Lehne. Der hatte drei Haxen, also Füße, und der Sitz war grade wie ein Brett. Gerade groß genug, dass die ganze Krippenlandschaft darauf passte. Wie lange es den Hocker und die Krippe oder deren Einzelteile schon gab, weiß nicht einmal mein Papa so genau. Er sagt, an die Krippe könnt er sich schon als Bub erinnern.

Es war bei uns Tradition, dass diese Krippe immer am dritten Advent feierlich im Wohnzimmer drapiert wurde. Daneben würde eine Woche später dann der Christbaum stehen. Der Aufbau war Sache vom Papa, bis wir alt genug waren das auch hinzukriegen. Letztes Jahr war ich dran, ich bin schließlich auch schon 12.

Warum sie das dem Deppen schon mit zehn erlaubt haben weiß ich beim besten Willen nicht, wo der doch so ein Pfloutsch is. Seine Überraschung ist meinen Eltern am Weihnachtstag jedenfalls sauber im Hals stecken geblieben. Des hams halt jetz auch davon.

Aber der Reihe nach. Am dritten Advent war noch alles paletti. Der Papa hat nach dem Frühstück ganz gemütlich den Schamel ins Zimmer gestellt und daneben die graue Schachtel mit den Utensilien. Dann hat die Mama wie jedes Jahr die extra gestärkte und blütenweiße kleine Tischdecke, die die Oma vor Jahren hat machen lassen, über den derhauden Hocker gelegt.

Hat pfundig ausgschaut. Nicht einmal die Farbspritzer hat man mehr gesehen, die der Schamel bei seinem letzten Renovierungseinsatz abkriegt hat. Der Hocker hat nämlich nicht des ganze Jahr Urlaub ghabt … na na, zum Ausweissn, Wäschkorbdraufstelln und so weida da hat er auch unterm Jahr ganz schön herhalten müssen. Der hat echt was mitgemacht. Aber mit dem Tischtuch hat er richtig jungfräulich ausgschaut. So richtig passend zur unbefleckten Empfängnis …

War des jetz unpassend? Egal. Jedenfalls hat da Papa sich dann hingestellt und gsagt, Michl … so hoast da Pfloutsch, oiso mei Bruada. Michl hot er gsagt, mechst ned du heier des Krippal aufbaun? Na und ob der woit. Und mi hat da Pap dabei ganz komisch angeschaut.

Dabei wollt ich doch letztes Jahr am Heiligen Abend nur, dass dem Jusukindlein, ned kalt is. Das arme Baby liegt nämlich ganz nackert im Kripperl seit unser Benno … so hoasst unser Hund, vor vier Jahr die Windeln gefressenen hat.

Jedenfalls hab ich dem Christkind kurz vor der Bescherung, also bevor wir uns alle in der Küch zum Essen zamgsetzt ham, a schöne Kerze aus echtem Bienenwachs neben sei Schlafstatt gestellt. Die war vom letzten Jahr und scho ziemlich niederbrennt. Aber sie hat genau in die Holzhütten passt, die der Urgroßvater  selig baut hat. Schön nach Honig hat’s geduftet, als ich sie angezündet hab.

Während wir so gemütlich essen, kriagt der Benno einen Feiztanz. Bellt hat der wie ein Irrer, sag i euch. Dann hamm mers auch schon gerochen.

Was für ein Hornox hat denn da a Kerze in die Krippe gestellt, hat da Papp plärrt und sei fast volle halbe Bier über die lodernden Flammen gschütt. Wegen dem trocknen Holz vom Uri seiner Hüttn hat des scho ganz schee brennt. Aber dank der enormen Löschkraft des Gerstensafts ist uns größeres Unheil erspart geblieben.

Die Hüttn war zwar a glatter Totalschaden. Der Maria ihr Gsicht hat fast a bissl a Ähnlichkeit mit dem vo ihrer Altöttinger Schwester ghabt und dem Jesus sei linke Pobacke is seither leicht angedünstet. Aber die Decke vo da Oma hat des Malheur Gott sei Dank einigermaßen überstanden. Bloß a gelber, Handteller großer Fleck erinnert an das Brandgeschehen. Der is a beim Waschen ned rausganga, Aber so a Tuch hat ja Gott Lob zwei Seiten. Und so liegt der Fleck heuer mit seim Gsicht am Schaml und man sieht nix, weil uns des Tuach ja quasi sein sauberen Hintern zureckt.

Du Depp, hat da Bapp gsagt und mir a trum Watschn gem. Weihnachten is für mich dann sozusagen erst amal ausgfalln. Ich hab als Strafe einen Ersatz für die abbrennte Hüttn schaffen müssen. Lang is mir nix gescheites eingefallen. Aber dann, hab i mir denkt, so eine schmucke Legohüttn is doch bei der ganzen Energiediskussion ein vernünftiger Ansatz. Sauberes Material, koane zugigen Ecken und Wärmebrücken … und so hab ich mich dann ans Werk gmacht.

Na ja, a wenig bunt is dann doch geworden hab ich mir denk, wia der Pfloatsch mim Aufbaun ogfanga hat und natürlich als erstes die neue Legokrippn aus der Kistn zarrt. Ogschaut hat mich der Bruder Barnabas dabei, ois ob er mich am liebsten abmurksen würd.

Nach a Stund war er dann fertig und mir ham mitnand nummoi Kaffee und Kaba trunka und de neuen Platzl probiert. Na ja was soll ich song. Er hat’s ganz passabel hingekriegt.

Dass der lila Esel a bissl schwul ausgschaut hat, dafür konn der Michl ja nix. Warum der Benno, dieser blöde Hund, aggrat immer den Jesus abschleckt und auf dem Esel rum beißt weiß niemand wirklich. Vor zwei Jahr hat der Bap den Tscharly … des is der Esel … runderneuert. Und weil de graue Farb aus war, hat er halt violett genommen. … passend zur liturgischen Adventsfarb, hat er gmeint … na ja … schwul halt.

Die Maria, die jetz daherkommt wie eine schwarze Madonna is für meinen Geschmack fast a bissl schöner worn. Jetz schaut’s wenigstens nimmer ganz so käsig aus. Die Russflecken san Dank da Mama auch von ihrem schönen blauen Gwand verschwunden, sodass sie ganz passabel dagestanden hat.

Dem Josef hat bisher sowieso nix gfehlt. Den hat sogar der Benno in Ruhe gelassen. Na ja, ehrlich gsagt wundert mich des ned. Der Josef muffelte a wenig. Anders ausgedrückt, wenn man das bei einer so durchlauchten Heiligkeit für passender hält …  er trägt halt schon den markanten Duft des betagteren Alters, der Josef.

Der Ox hinter der Krippe hat seit i denken kann nur drei Haxn und ein Horn. Aber das Horn ist nicht lebenswichtig und den einen Haxen kann er liegend bei dreien, die ihm bleiben, gut verschmerzen.

Die zwei Hirten und der Engel ham sich irgendwann vor Jahren aus dem Staub gemacht. Da stehen seither Playmobilfiguren. Wobei ich den Darth Vador als Verkündigungsengel schon leicht grenzwertig gefunden hab. Gsagt hab ich’s nicht, weil´s am Papa seine Idee war.

Die Schafe hat die Mama irgendwann aus Kastanien gebastelt und a Wolle auf die braunen Schalen pappt. San mittlerweile auch schon ganz schön runzelig und haarlos gwesen, aber irgendwie dann doch bsonders.

Als ganz besonderen Gag hot da Pfloutsch dann no an überdimensionalen Stern in Kometenform über sei Arrangement gehängt und immer wieder aufgeregt irgendwas von einer besonderen Überraschung gefaselt, die er fürn Weihnachtstag vorbereitet hätt.

Die is ihm dann auch gelungen. Vor da Bescherung hamma alle im Wohnzimmer antanzen müssen. Dem Bap hot er ogschaftelt die Kerzen am Bam ozbrenna. Dann hat da Pfloutsch des Wohnzimmer Licht ausgeknipst und a Kastl aus da Hosntaschn zong.

Achtung jetz, hat er geschrien und auf den Knopf drückt. Dann hat’s einen saumässigen Schäberer do und den Stern vo Betlehem in tausend Fetzn zerlegt. Nach zirka 10 Minuten hat sich der Pulverdampf dann gelegt und mia ham wieder einigermaßen hörn können.

Am Christbam warn de Nadeln auf der linken Seite total herunt, de Kugeln alle platzt. Die Lego Hüttn war ein einziger Plastikbatz und die Leichenteile der erlauchten Krippengesellschaft übers ganze Wohnzimmer verteilt.

Dabei woit i doch bloß wia da Bap as Christkindl oschuissn, hot da Pfloatsch bleckt. Jetz woas i a woran mi der Schweif vom Kometen erinnert hat. Der  war aus drei volle Böllerkartuschen gebastelt.

Sigst du Depp, hat meine Mama den Bapp angraunzt. Aber der hot de Welt um sich nicht mitkriegt. Der is bloß dadottert dagestanden, und hod grad no gstottert … der scheene Baam, der scheene Bam.

Dann hat d Mama an Ploutsch in d Arm gnomma, weil der ned zum Blecken aufghört hat.

Und weil am Bap sein Hörorgan wohl doch ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen war hat’s ihn dann schon fast angeschrien:  Sigst Depp wos rauskummt, mit deiner Scheiss Böllerei! Hundertmoi hob i gsagt, sperr des Schwarzpulver weg, … hundert? Tausend moi, oda?

Mein lieber Herr Gemeinderat, das war ein astreiner Bombenaschlag Freunde … und über mei bissl Brandstiftung letztes Jahr hamm sie sich dermaßen aufgeregt. Ned amoi a Fotzn hot a kriegt da Pfloutsch. Wo bitte bleibt da die Gerechtigkeit ha?

Der Benno die treue Seele ist ganz verdattert mit eizwicktem Schwanz unterm Kanapee gelegen, mim Jesuskind im Maul … wenigstens des hat Weihnachten überlebt.