13. Adventsgeschichte

Was schenk ich bloß

Copyright Uwe Brandl Nov 17   Josef Stanglmeier Str. 4    93326 Abensberg 

Diese Frage beschäftigt die Europäer und Amerikaner in der Weihnachtszeit wohl am intensivsten. Betrachtet man das Thema „was schenken?“ generell, so dürfte es die gesamte Menschheit mindestens genauso bewegen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens oder dem „was kommt danach“.

Genau genommen befassen wir uns mit der essentiellen Frage: Ist nach dem Tod für immer Schicht im Schacht relativ binär … Will heißen, es gibt nur zwei Antworten: Ja oder Nein!

Im Vergleich dazu ist die Geschenkfrage höchst komplex und vielschichtig … außer man gehört zu den Pragmatikern, meist weiblichen Geschlechts.

Da sind wir dann nämlich wieder beim Binären; zumindest sofern das Zuordnungs- Subjekt des Geschenks männlich ist: Denn auch da gibt es nur zwei Antworten: Socken oder Rasierwasser.

Die männliche Spezies quält die Donationsfrage demgegenüber nahezu körperlich. Das resultiert zum einen aus der beim Mann angeborenen Ideenlosigkeit, zum anderen aus der Zeitkomponente.

Das verstehen sie jetzt nicht? Ist doch ganz einfach: Wir, also wir Männer, stellen uns die Frage was wir schenken sollen oder wollen einfach zu spät. Die dadurch entstehende Panik erzeugt Stress. Dieser wiederum löst massive Nordrenalin und Adrenalinausschüttungen aus.  Und mit denen sinken die rationalen Steuerungsprozesse des durchschnittlichen maskulinen Gehirns geradezu dramatisch.

Dem Gefühlschaos, das der ausweglose Geschenkfindungsdruck geradezu zwangsläufig erzeugt setzt Mann dann, vom Einzelhandel höchst berechenbar, mit völlig absurden Panikkäufen zu Schweinepreise ein Ende. Meist ist das allerdings nur ein höchst vorläufiges. Denn die aus derartigen Spontanentscheidungen üblicherweise entstehenden Reaktionen der meist weiblichen Beschenkten oder des Kundenbetreuers der Hausbank garantieren mit unwesentlicher Zeitverzögerung eine neuerliche und noch massivere Hormonausschüttung.

Die kann, wenn´s blöd läuft zu pathologischen Befunden bis hin zum Myocardinal Infarkt führen. Und so ein Herzkaschperl …  Oida … das ist kein Spaß. Drum prüfe, wer Geschenke findet … Oder warum haben jetzt sie gemeint ist die Herzinfarktrate um Weihnachten rum statistisch am höchsten?

Na jedenfalls heuer habe ich mir vorgenommen nicht bis zur letzten Sekunde zu warten. Ich werde also meinem Cousin, dem Schmucktantler, keinen dieser kassenfüllenden Last Minute Einkäufe antun. Allerdings … und das ist jetzt auch blöd. Schmuck in jeder Form und Farbe scheidet damit sozusagen gleich mit aus … weil unabhängig vom Zeitdruck:

Ein Glump, also Nippes, Fake- Schmuck und so, das ist nix für mich! Nein! Da halt ich die Fahnen der Gold- und Diamanten- schmiedenden Blutsverwandtschaft schon hoch. Bleibt dir ja auch nix anderes übrig. Weil wenn du Teil einer solchen Dynastie bist, dann bist du ja praktisch genetisch konditioniert keinen Scheißdreck zu kaufen. Also keinen falschen Schmuck mein ich.

Gutscheine hab ich auch gestrichen. Die find ich lieb-, bestenfalls einfallslos. Konzertkarten! Ja das wär schon was, wenn da nicht die Terminfindung wär. Du kaufst Karten genau an dem Tag, an dem der Friseur sein Recht fordert. Ich sag’s dir an größeren Griff in die Kloschüssel den gibt es garantiert nicht. Nimm einer Frau, oder noch schlimmer deiner ihren Friseurtermin und du weißt, dass der Sündenfall im Paradies ein Kindergeburtstag war …

A Gwand. Also Kleidung. Klar, die Klara von der Boutique Holzapfel, die kennt den Geschmack von meiner Herzallerliebsten genau … Aber andererseits, wenn dann die Jeans oder die Blusn nur eine einzige Falte zu viel werfen sollte, was ja bei einer … sozusagen Blindverkostung … nicht auszuschließen ist, dann wären wir wieder dort, wo wir mit einem verhinderten Friseurbesuch ja genau nicht landen wollten.

Fix ist des schwierig.

Nein … denken sie erst gar nicht dran, Herr Nachbar … Socken und Parfüm scheiden definitiv aus. Ich bin doch keine Frau!

Ein schönes Buch wär eine Idee. Au ja! Das ist was. Das hat den Charme, dass ich das dann auch … Nein, nein, des geht gar nicht! Meine Frau ist mir das schon wert, dass es ein individuelles, nur für sie bestimmtes, nur von ihr zu gebrauchendes Präsent is, … das mir ums Hundsverrecken nicht einfallen will.

Ja, Herr Müller, Meier, Schmid oder wie auch immer sie gerade heissen. Nette Idee. … Sich selber schenken. Und so naheliegend gell. … Ja, jetz stellen sie sich doch einmal sich selber vor! So mit nix außer einer roten Geschenkschleife um den mittleren Ring. …  Sengs, so tät ich auch ausschauen …  und drum lassen wir das besser.

Aber für einen jungen, knackigen Geschenkesucher können wir die Idee durchaus reminiszieren.

Was hat mein Rehlein gsagt?  Nix will sie. Ja, das sagen die meisten. Was glaubst du was los wär, wenn man da nach dem Motto verfahren dadad: „dein Wunsch ist mir Befehl“ … ha, wos glaubst, ha? … Ich sag nur Friseur.

Aber was mir da kommt. Also so in der Zusammenschau der letzten beiden Gedanken. Eigentlich ham mir doch alle des ganze Jahr Weihnachten, oder? Wir können uns doch wirklich nicht beklagen.

Ok, an Hubschrauber oder an Flugzeugträger könnt ich mir jetzt nicht kaufen. Aber wenn ich’s recht bedenk … fehlen zum Leben tut uns nix und zum Glücklichsein da braucht’s koan Flugzeugträger.

Das einzige was uns unterm Jahr tatsächlich fehlt ist … Zeit … Zeit füreinander … Achtsamkeit und Hinwendung, … weil, des alles so selbstverständlich ist. Aber genau das ist es halt nicht.

Ausgmacht … ich schenk heuer mich, Zeit und Zuwendung. Und das ist echt ein anspruchsvolles Geschenk. Nicht nur, weil es sau schwer einzupacken ist, sondern weil Zeit und Gefühl      zerbrechlicher sind als Glas, flüchtiger als Parfüm und schwerer zu organisieren als Plutonium.

Da musst du dir echt den Arsch aufreißen, wenn du es schaffen willst, dieses Geschenk in einem Stück und unversehrt zu übergeben. Allein kriegst du das sowieso nie hin. Da brauchst du einen treuen Helfer ohne den du das nicht schaffen kannst … die LIEBE.

PS: Sicherheitshalber leg ich aber dann doch noch was untern Baum: Genau! … Einmal die Wurmdobler Lisl: Waschen, Schneiden, Färben, Föhnen, Locken rausziang, as ganze Programm … das kann gar ned verkehrt sei! … Solange du den Termin … offen lässt!