14. Adventsgeschichte

Wunder der Weihnacht …

Copyright Uwe Brandl Nov 17 Josef Stanglmeier Str. 4  93326 Abensberg  

 

Ja, hätte es damals, als diese kleine Geschichte spielt bereits Dreifachisolierverglasung, Wärmedämmung und den ganzen Energiehype gegeben … wer weiß was dann geschehen wäre.

Hansi kauerte vor der Holzkate und stocherte mit einem Stöckchen in den frischen Schnee. Der Wind pfiff frisch um das kleine Häuschen und weiche Schneeflocken kitzelten den Buben an der Nase. Die Kälte machte ihm nichts aus. Er war Wind und Wetter gewohnt. Drinnen würden sie erst abends ein kleines Feuer anmachen. Sie waren bettelarm. Der Vater war aus dem Krieg nicht heimgekommen, und die Mutter, ein arg verhärmtes Weib, bemühte sich als Taglöhnerin redlich ihre vier Kinder satt zu kriegen.

Trotzdem Schmalhans bei den Habauers Küchenmeister war, und die Not ständiger Gast, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Sie versuchten der Mutter zu helfen wo sie nur konnten.

Ihr Kleinster, Ernst, war kränklich. Trotzdem schleppte er sich nach der Schule täglich in den Wald um loses Holz fürs Feuer zu sammeln.

Dort, ganz hinten, wo das Grün der Bäume sich von den weiß gepuderten Äckern abhob konnte Hansi ihn schon ausmachen: auch heute schleppte er ein ansehnliches Bündel auf seiner Kraxe. Der Oberkörper des Achtjährigen war von der schweren Last gebeugt.

Resi und Josefa, die beiden Schwestern würden bald vom Müllner kommen, wo sie jeden Tag beim Melken halfen. Der Müllner Hof war das größte Anwesen weit und breit und der Bauer ein Groß Cousin ihres verstorbenen Vaters. Die Mädchen wurden für ihren Dienst mit Mehl, Eiern, Brot, Milch und ab und an mit einem Stück Fleisch entlohnt.

Der Müllner war zwar reich, aber sonst hatte es das Leben nicht besonders gut mit ihm gemeint. Den Sohn und sein liebes Weib, die Traudl hatte er im Kindbett verloren. Und so vergrub er sich in seine Arbeit und wurde zu einem rechten Sonderling. Ab und an, erzählten sich die Leut sah man ihn, wie er sich ausgelassen mit jemandem zu unterhalten schien … nur, da war niemand.

Hansi strotzte vor Dreck. Er hatte wieder einmal beim Kohlenhändler ausgeholfen und die schweren Säcke mit dem Brenngut in die Keller der gut betuchten Bürgersfamilien geschleppt. Seine Mutter sah es nicht gerne, wenn er sich zu der schweren Arbeit verdingte. Aber Hansi war stark.

Der alte Kroiss zahlte gut und war dem Buben auch sonst recht zugetan. Stolz rieb Hansi die zwei Silber Münzen in den Fingern, die ihm der Kohlenhändler heute großzügig zugesteckt hatte. Mutter wird sich freuen, dachte er. Es war kurz vor Weihnachten und das Geld würde ihnen einen schönen Christabend bescheren.

Es wurde dämmrig, und der Schneefall dichter. Hansi zog sein Lodencape enger um den schmalen Körper und drückte sich an die Mauer. Dort bot ihm das altersschwache Dach ein wenig Schutz. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis die Geschwister und die Mutter zu Hause waren. In die stickige Kate wollte er nicht. Jetzt stöberte es so heftig, dass er nicht mehr die Hand vor den Augen sah.

Plötzlich legten sich Wind und Schneefall. Wie aus dem Nichts stand eine kleine, zerbrechlich wirkende Frau mit wächsernem Gesicht vor ihm. In den Armen barg sie ein kleines Bündel in dem ein Kind zappelte. Hansi fuhr zusammen. Er hatte die beiden nicht kommen sehen.

Verzeih ich wollte dich nicht erschrecken. Wir beide sind lange unterwegs und haben keine Heimat mehr. Die Frau lächelte sanft und Hansi meinte fast sie irgendwoher zu kennen.

Kann ich dir helfen fragte er.

Die Frau nickte und strich sich eine goldene Locke aus dem Gesicht. Ich habe seit heute Morgen nichts gegessen und weiß nicht, wo ich die Nacht verbringen soll. Tränen liefen über ihr hübsches Gesicht. Mein Jakob und ich, sie wiegte das Bündel, … wir sind ganz allein … und bald ist Weihnachten. Wenn ich meine Schulden nicht bezahle werden sie mich ins Armenhaus werfen und mir meinen Buben wegnehmen.

Hab keine Angst. Heute bleibst du erst einmal bei uns. Und das nimmst du. Das hilft dir erst einmal weiter. Ohne zu zögern steckte Hansi der Frau die zwei Silbermünzen zu. Geh nur hinein da findest du ein Stück Brot, ich komm gleich nach. Siehst du, da kommt mein Bruder, er bringt Holz, Hansi deutete auf die gebeugte Gestalt, die sich der Hütte näherte. Ich lauf ihm entgegen, und helfe tragen.  Wir sind schnell zurück und dann werd ich euch Feuer machen. Die Frau nickte dankbar, öffnete die knarrende Tür und verschwand in der Kate.

Als Hansi und Ernst mit einer ansehnlichen Menge Holz den kleinen Vorgarten der ihres Hauses erreichten, trafen sie justament mit ihrer Mutter und den beiden Schwestern zusammen.

Mama, wir haben Besuch begrüßte sie Hansi. Ich hoff du hast nichts dagegen.

Wer ist es denn?

Eine Frau mit ihrem Neugeborenen. Sie war in Not. Ich hab ihr meinen Lohn gegeben. Denen geht´s noch schlechter als uns, erklärte Hansi.

Du hast was? fragte die Habauerin und öffnete die Tür.

Die Kate war kalt und leer. Hansi konnte es nicht glauben. Die junge Frau hatte ihn angeschmiert und sich aus dem Staub gemacht. Enttäuscht und wütend sank er in sich zusammen. Die Mutter schimpfte nicht. Das war das Ärgste. Sie machte Feuer und setzte eine dünne Mehlsuppe an, zu der es den halben Laib Brot gab, den Resi und Josefa heute vom Müllner bekommen hatten.

Hansi war Tod traurig. In ein paar Tagen war Weihnachten … es würde ein trauriges Fest werden. Jemanden zu helfen der in noch größerer Bedrängnis war als sie … es hätte ihnen allen nichts ausgemacht … aber so … Der schweigende Vorwurf der Familie nagte an Hansi. Der Wind pfiff spöttisch schneidend durch die Fensterritzen.

Dann war er da. Der Heilige Abend. Sie saßen um den Tisch und löffelten gemeinsam aus dem großen Topf die Suppe in dem vereinzelten Fleischstückchen schwammen. Mutter hatte in der Ecke neben dem Holzkreuz ein paar Tannenreisige aufgestellt und mit Strohsternen behängt. Ein paar Kerzen tauchten den kargen Raum in ein weiches Licht.

Im Schein des Wachswerkes packen sie ihre Geschenke aus. Ein Steckenpferd für Ernst, mit dem er gleich ausgelassen um den Tisch galoppierte. Eine Handpuppe für Resi und eine Wollmütze für Josefa und für ihn ein paar gestrickte Handschuhe.

Die Mutter wurde mit Küssen überhäuft. Josefa überreichte ihr feierlich ein Päckchen das herrlich duftete. Eine Orange, Nüsse, ein Apfel und ein Stück Seife lagen darin. Josefa, Resi und Ernst hatten lange gespart um der Mama diese Christfreude bereiten zu können.

Hansi starrte auf seine Handschuhe. Eine Träne lief über seine Wange. Ich, ich hab nur das für dich Mama. Er deutete auf das Fensterglas das vom anrennenden Wind leicht zitterte. Die sind für dich … mit all meiner Liebe. Der Frost hatte wunderschöne Blüten auf das eiskalte Glas gemalt. Die Mutter strich ihrem Großen sanft durchs Haar.

Es tut mir leid … das mit dem Geld und der Frau …

Schon gut mein Junge. Sie sind wirklich wunderschön deine Eis Rosen. Ich danke dir. Die Habauerin ging ganz nah an´s Fenster um ihr Geschenk zu bestaunen. Als sie durch die angeeisten Scheiben blickte erkannte sie eine Gestalt, die sich mit einer Laterne ihrer Hütte näherte. Kurz darauf stand der Müllner in der Stube.

Heut ist Weihnachten … und ich und meine Traudl … wir haben gemeint es wär einfach gut, wenn ihr ab heut bei uns … also bei mir wohnt. Schließlich gehört die Familie zusammen, und … er blickte auf Resi und Josefa, fleißig seid ihr auch.

Das wurde nicht nur ein besonderes Weihnachtsfest, sondern eine neue und glückliche Familie.

Im Erker der großen Bauernstube in der der prächtige Weihnachtsbaum stand hing ein Bild, das eine junge hübsche Frau mit gold blondem Haar zeigte. Hansi erkannte sie sofort. Als er in der Christnacht unter das warme Federbett in seinem eigenen Zimmer kroch, das ihm die Großmagd gerichtet hatte, fand er unter dem Kopfkissen einen Wollstrumpf und darin zwei Silberstücke.

Wunder und Weihnachten gehören einfach zusammen.